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Friedhof

Am 27. April 1835 wurde der Grundstein zum Bau der Friedhofskapelle gelegt. Er ist an der rechten Seite des Eingangs eingemauert und trägt folgende Inschrift: „Zur Ehre Gottes und zur Erlösung der armen Seelen im Fegefeuer unter der Herrschaft des hochgeborenen Herrn Grafen Niclas v. Batthyány Erbherrn zu Gissing, k. k. Kämmerer und seiner Gemahlin, der hochgeborenen Frau Gräfin Franziska von Batthyány geb. Gräfin Szécsény, Sternkreuzordensdame, durch die Bemühung des hochwürdigen Herrn Erzpriesters Joseph Weinhofer, während Herr Ignaz Wissinger Direktor der Herrschaft und Michael Murban Marktrichter des Marktes war, nach Angabe des Architekten Rösner erbauet durch milde Beiträge frommer Gläubiger im Jahre des Heiles 1835“. Schon am 25. Oktober des gleichen Jahres erfolgte die Einweihung.

Die Kapelle ist ein einfacher neugotischer Bau über rechteckigem Grundriss, die vom bekannten Wiener Architekten Carl Rösner geplant worden ist. In der Westfront befindet sich in einer tiefen Nische ein hohes spitzbogiges Portal. Im darüberliegenden Giebelfeld ist in einer runden Tafel folgende Inschrift zu lesen: "HOC IN LOCO DORMENTIBUS SIT REQUIES AETERNA ET PERPETUA" (An diesem Ort sei den Entschlafenden ewige und immerwährende Ruhe). Das Glasmosaikfenster der Südfront und das Blindfenster an der Nordseite haben die gleiche Form und Höhe wie das Portal. Auf dem Satteldach ist an der Ostseite ein kleiner Dachreiter mit spitzbogigen Schallfenstern, Pyramidenhelm und Kreuz aufgesetzt.

Der Innenraum wird durch ein Kreuzrippengewölbe über vier spitzbogigen Schildbögen gebildet. Der Boden ist mit Kehlheimer Platten ausgelegt.

Kunsthistorisch bedeutsam ist das Altarbild mit der darunter befindlichen Predella, das von Eduard Steinle 1835 im nazarenischen Stil gemalt worden ist. Steinle war Mitglied des Pinkafelder Romantikerkreises um Gräfin Franziska Batthyány. Das Ölbild ist ein Frühwerk Steinles, das er kurz nach seiner Rückkehr aus Italien gemalt hat. Das Altarbild befindet sich in einem spitzbogigen Holzrahmen mit aufgesetztem Giebel. Es zeigt den gekreuzigten Jesus mit Maria und Johannes, der Hintergrund ist vergoldet. Die Predella zeigt die Erlösung der armen Seelen aus dem Fegefeuer. Da die Friedhofskapelle recht feucht ist, wurde das Altarbild und die Predella im Jahr 1986 ins Pfarrheim verlegt. Heute befinden sich beide Kunstwerke in der nördlichen Sakristei der katholischen Pfarrkirche.

Früher wurden in der Friedhofskapelle zu Allerseelen und an den Faschingstagen Gottesdienste abgehalten. Vor dem Bau der Aufbahrungshalle diente die Kapelle eine Zeitlang zur Aufbahrung der Verstorbenen.

Vor der Friedhofskapelle steht auf der linken Seite die Sandsteinstatue einer Madonna auf hohem Sockel, die 1844 von Gräfin Sophie Zichy gestiftet worden ist. Rechts vor der Kapelle befindet sich ein Kruzifix aus Sandstein auf hohem Sockel, das im gleichen Jahr Gräfin Franziska Batthyány errichten ließ.
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© 2001 Mag. Rudolf Köberl